Fasching und Tradition in Südtirol - Blog Preidlhof
12.02.2013
11:21
Julia

Der “Egetmann” feiert Hochzeit in Tramin

In jedem ungeraden Jahr am Faschingsdienstag findet in Tramin, im Süden Südtirols, der traditionelle Egetmann-Umzug statt. Eine besonders bunte Bauernhochzeit, die dafür sorgt, dass der Winter mit großem Lärm und fantasievollen Gestalten endgültig vertrieben wird. Der Egetmann-Umzug gilt als einer der ältesten Faschingsumzüge Tirols mit 32 verschiedene Gestalten,  die allesamt eine bestimmte Rolle spielen. Der uralte Brauch will es, dass am Umzug nur Männer teilnehmen.

Monatelang wird auf den berühmten Egetmann-Umzug hingearbeitet, Wagen werden geschmückt und mit allerlei Figuren versehen, Kostüme genäht und verziert. Und genau das ist es was den Egetmann-Umzug so sympathisch und mitreißend macht, dass das ganze Dorf mit Leib und Seele und viel "Hetz" mitmacht. So ist der Umzug nicht nur ein wertvolles Tiroler Geschichts- und Kulturgut, sondern vor allem ein ganz lebendiges und wesentliches Stück Tramin, Teil und Ausdruck seiner Bevölkerung und ihrer Eigenart und Lebensfreude. Er ist unmittelbar und lebendig, urwüchsig, ausgelassen und einzigartig.

Den Umzug eröffnet ein berittener "Trompeter", welcher den Fasnachts-Umzug ankündigt. Gefolgt von berittenen Bauern mit ihren Knechten, die für die Aufrechterhaltung der Ordnung sorgen. Hernach kommen die "Ausschnöller", junge, kräftige Burschen, die mit ihren langen, dicken Geiseln "ausschnöllen" bzw. den Winter vertreiben. Darauf folgen die "Wegmacher" mit Haue und Schaufel, die den Weg säubern; die "Bauernschaft" mit Feldarbeitern mit Sensen, Rechen, Gabeln; ein von Ochsen gezogener Pflug sowie eine Egge und einem Karren mit Saatgut aus Sägespänen, Heublumen und Staub. Daran schließt sich die Hauptfigur des Umzugs an, der "Egetmannhansl", eine mit schwarzem Rock, Zylinderhut und weißen Handschuhen bekleidete Puppe, in einer Kalesche fahrend und von einem Diener begleitet. Die Braut - ein ebenfalls verkleideter Mann - sitzt dabei nicht neben ihrem Bräutigam in der Kutsche, sondern neben dem Kutscher auf dem Bock. Der Hochzeitskutsche des Herrn Egetmann folgen die "Ratsherren", alle in schwarz gekleidet, mit Frack und Zylinder, wobei jeder eine spezielle Requisite trägt: das Protokollbuch, eine Leiter, einen Regenschirm und zwei Leuchter. Bei jedem Dorfbrunnen, von denen es in Tramin ja noch reichlich gibt, wird die Leiter an die Brunnensäule gelehnt; der Schirmträger besteigt sie als erster, bis ganz hinauf und spannt den Regenschirm als Baldachin auf. Dann steigt der Verkünder bis zur Mitte der Leiter nach und verkündet aus dem Protokollbuch, das ihm der Träger vorhält, das Ehe Aufgebot des "Egetmann Hansls". Nach jedem verlesenen Absatz ruft das umstehende Volk laut: "Hohoo!" An dieser Gruppe des Egetmannes reiht sich noch je eine Kutsche mit der "Silbernen" und der "Goldenen Hochzeit". Den Abschluss des traditionellen Teils bildet die "Alt-Weibermühle" in welcher die "Alt-Weibelen" mit geschwärztem Gesicht zu einer Verjüngungskur gezwungen werden. Nach der Kur, verlässt das "Alt-Weibele" als junges Mädchen die Mühle.

Natürlich dürfen auch die “Schnappviecher” nicht fehlen, die die Zuschauer mit Schnappern erschrecken. Eine oft über drei Meter große Figur mit einem krokodillähnlichen Kopf, der mit Fell überzogen ist und Hörner hat. Der Unterkiefer, welcher mit Holzzähnen ausgestattet ist, ist beweglich und schnappt mit lauten Klappern auf und zu.

Achtung: die lustige Truppe reibt gerne das Publikum mit Schminke oder Russ ein. Auch mit Heuballen, Sägespänen, Heublumen, Staub und in neuerer Zeit auch mit Konfetti wird nicht gespart.

Zurück

Suche

Archiv

Besuchen sie uns auch auf