Die prähistorische Siedlung Ganglegg - Blog Preidlhof
14.10.2011
13:09
Julia

Die prähistorische Siedlung Ganglegg - wo Geschichte greifbar wird!

Bei unserer gestrigen Wanderung hat Wander- und Kulturführerin unsere Gäste über den Sonnensteig und die Waalwege von Mals und Schluderns zur prähistorischen Siedlung Ganglegg oberhalb von Schluderns im oberen Vinschgau geführt.

Dieser wirklich besonderen Kraftplatz lässt uns eintauchen in längst vergessene Zeiten und macht uns die Geschichte greifbar.

Der unscheinbare eiszeitliche Moränenhügel, Ganglegg, am Ausgang des Matschertals hat eine Geschichte, die weit über unsere christliche Zeitrechnung hinausreicht und lässt uns erst bei genauerem Hinschauen erahnen welche Schätze dort verborgen sind.

Begonnen hat die Suche nach den Schätzen der Urzeit in der Mitte des 19. Jahrhunderts als im Bett des Saldurbaches am Fuße des Gangleggs ein hervorragend erhaltener Bronzehelm aufgefunden wurde. Umfangreiche und systematische Grabungen gewährten dann Ende des 19.Jahrhunderts einmalige Einblicke in alle Lebensbereiche der frühzeitlichen Bewohner der Höhensiedlung Ganglegg.

Ganze 4 Siedlungsperioden sind heute bestätigt:

  • die Kupferzeit (3300 – 2200 v. Chr.), der älteste Fund ist ein Steinbeil
  • die Mittlere und Spätere Bronzezeit (14. – 13. Jahrhundert v. Chr.) und ein Höhepunkt in der Zeit der Laugen-Melaun-Kultur (12. – 11. Jh.)
  • die Eisenzeit ab 4. Jahrhundert bis 16 – 15 v. Chr
  • und die Spätantike (2. Hälfte des 3. Jahrhundert – 4. Jahrhundert n. Chr.)

Zwischendurch wurde die Siedlung immer wieder aufgelassen, um dann wieder neu errichtet und genutzt zu werden.

Durch die vielen Funde weiß man heute viel von den Menschen dieser Zeit, von Ihrer Lebensweise, Ihrer Ernährung, Ihrer Arbeit und Ihren Wohnungen.
Es wurden Hirse, Gerste, Dinkel, Roggen, Hafer und Gemüse angebaut, die Menschen hielten Ziegen, Schafe und Schweine, und später auch Rinder und Pferde als Nutztiere. Sie trieben Handel mit anderen Völkern und fertigten Schmuck und Werkzeuge aus Kupfer, Bronze und Eisen. Sie ritzten Runen in Knochen und speicherten Getreide für den Winter.
Sie hatten eine hoch angesehene Stellung in der damaligen Gesellschaft und brachten Opfer für Ihre Götter dar.

Steht man oben am Ganglegg mitten in den noch sehr gut erhaltenen Gebäuderesten und Mauern, dann wird die Geschichte lebendig und kann sich hinversetzen in diese weit entfernte Zeit. Man spürt die Kraft, die von diesem Kultplatz ausgeht und möchte nur für einen kurzen Moment all diese Ruinen voller Leben sehen.

Um die sensationellen Ergebnisse der Grabungen anschaulicher zu machen, wurde dann in den letzten Jahren am Ganglegg eine großzügig angelegte prähistorische Siedlung eingerichtet und im Vintschger Museum in Schluderns hat man die Möglichkeit die ganzen kleinen und größeren Fundstücke zu bestaunen.

Unsere Kultur- und Wanderführerin Irmgard hat gestern unsere Gäste in diesen besonderen Ort eingeführt und mit Begeisterung die Geschichte des Ganglegg für kurze Zeit lebendig gemacht. Es war für alle eine ganz besondere Wanderung!

 

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